Beistrichregeln

Beistrichregeln leicht gemacht

Die meisten Fehler in Texten gehen auf falsch oder nicht gesetzte Beistriche zurück. Das führt dazu, dass sie nicht besonders beliebt sind. Damit tut man den Beistrichen jedoch Unrecht: Versuch einmal, einen Text zu lesen, in dem es kein Komma gibt: Du wirst sehen, wie schwierig es ist, den Inhalt problemlos zu erfassen. Deshalb setzen viele Schreibende Beistriche „nach Gefühl“. Das ist nicht ideal, weil gerade in dem Fall deutlich wird, dass sich die Gefühle von Menschen sehr unterscheiden, weshalb willkürlich gesetzte Beistriche das Verständnis auch nicht erleichtern. Was also tun? Die gute Nachricht: Es gibt ganz klare Beistrichregeln und die sind gar nicht so schwer.

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Klare Beistrichregeln

Im Folgenden wollen wir dir diese Beistrichregeln vorstellen. Um es dir ein bisschen einfacher zu machen, lassen wir jedoch die Fälle weg, in denen man einen Beistrich setzen kann, aber nicht muss, oder umgekehrt, in denen man einen Beistrich weglassen kann. So wird es einfacher für dich: Wenn du dich an diese Regeln hältst, bist du immer auf der sicheren Seite.
Wie gesagt, ist es gar nicht so schwer, Beistriche richtig zu setzen. Was es aber besonders am Anfang braucht, ist ein spezielles Augenmerk auf das Thema. Wir empfehlen dir, den nächsten Aufsatz, den du schreibst, danach bewusst auf die Kommasetzung hin durchzulesen. Wenn du das mehrmals machst, wirst du automatisch mehr Sicherheit im Umgang mit dem Beistrich bekommen.

Aufzählungen

Die erste Regel ist eine einfache: Zwischen den Gliedern einer Aufzählung (gleicher Wortart) steht ein Beistrich:

  • Wir kaufen Eier, Milch, Mehl und Butter.
  • Sie ist intelligent, fleißig und talentiert.

Wie du jedoch an den Beispielen siehst, entfällt das Komma vor „und“. Das gilt auch im Fall von „oder“, „beziehungsweise“, „entweder – oder“ und „weder – noch“.

  • Ich hätte gerne ein Schloss, ein Haus oder zumindest eine Hütte.
  • Er spricht weder Deutsch noch Englisch.

Jedem Satz seinen Platz

  • Er kam, sah und siegte.

Was wie eine Aufzählung von Zeitwörtern aussieht, ist in Wirklichkeit eine Aneinanderreihung von Sätzen und damit sind wir schon beim zweiten wichtigen Punkt:
Haupt- und Nebensätze werden durch Beistriche getrennt, das heißt, das Komma markiert die Grenzen zwischen den einzelnen Sätzen. Auch hier gilt, dass es entfällt, wenn gleichwertige Sätze mit „und“ oder „oder“ miteinander verbunden werden:

  • Wir verließen das Haus, sperrten die Haustüre ab und gingen zum Auto. (Hauptsatzreihe)
  • Ich will nicht, dass du weißt, wo ich mein Geld verstecke. (Hauptsatz, Nebensätze)

Besonders aufpassen musst du, wenn ein Nebensatz eingeschoben ist, denn dann braucht es zur Abgrenzung zwei Beistriche:

  • Das Geschenk, das ich von dir bekommen habe, gefällt mir sehr gut.

Und dadurch kann es auch passieren, dass vor „und“ und „oder“ doch ein Beistrich steht:

  • Der Hund, der uns zugelaufen ist, und unsere Katze vertragen sich hervorragend.
Beistrichregeln leicht gemacht

Nennformgruppen 

Die Nennform ist die Grundform des Zeitworts, die zum Beispiel im Wörterbuch steht. Oft wird sie mit „zu“ eingeleitet. Wenn vom Sinn her noch mindestens ein weiteres Wort dazukommt, wird diese Nennformgruppe durch ein Komma abgetrennt:

  • Ich liebe es zu lesen.
  • Ich liebe es, Kriminalromane zu lesen.
  • Er ist gekommen, um mitzuteilen, dass er bereit ist, uns sein Auto zu verkaufen.
  • Sie trat ein, ohne zu klopfen.

Du siehst: Schon ein „Um“ oder ein „Ohne“ reicht, um eine Nennform zu einer Gruppe zu erweitern.

Und wer ist jetzt Herr Maier?

Manchmal wird im Satz eine Erklärung nachgestellt oder ein anderer Einschub zur Verdeutlichung verwendet. Auch in diesem Fall kommen Beistriche zum Einsatz:

  • Herr Maier, mein Nachbar, hilft mir immer bei der Gartenarbeit.
  • Der 17. Mai, ein heißer Sommertag, wird mir immer in Erinnerung bleiben.
  • Sie isst gerne Obst, besonders Äpfel und Birnen.

Sondern und Aber mögen das Komma 

Deshalb findet es sich vor diesen Wörtern, auch wenn kein ganzer Satz folgt:

  • Wir trinken nicht Bier, sondern Limonade.
Beistrichregeln leicht gemacht

Super, die Beistrichregeln sind ja gar nicht so schwer!

Und wie du siehst, kommt bei dem Beispiel gleich eine weitere hinzu: Ausrufe und Anreden werden nämlich ebenfalls mit einem Komma abgetrennt:

  • Gott sei Dank, ihr seid wohlbehalten zurück!
  • Anton, komm doch bitte an die Tafel!

Und zum Abschluss wird’s direkt

Den Beistrich brauchen wir auch bei der Wiedergabe von Gesagtem, also bei der direkten Rede. Diese erkennst du, weil sie unter Anführungszeichen steht. Der Beistrich ersetzt hier den Punkt oder folgt auf ein Frage- oder Rufzeichen, wenn danach noch ein Satz folgt:

  • „Mir geht es gut“, behauptet er.
  • „Wie weit ist es noch bis zum Bahnhof?“, fragte sie.

Und auch hier gelten die Regeln des doppelten Kommas, wenn es sich um einen Einschub handelt.

  • „Wir werden dich nicht besuchen kommen“, sagte sie, „aber wir werden dich 
    anrufen.“

Das war’s schon

Wenn du dich an diese Beistrichregeln hältst, bist du schon Komma-Meister. Wie gesagt, kommen Fälle hinzu, in denen man einen Beistrich setzen kann, aber nicht muss. Der vorige Satz kann gleich als Beispiel herhalten, denn Wendungen wie „wie gesagt“ kann man durch einen Beistrich abtrennen, muss es aber nicht. Du siehst: Beistriche richtig zu setzen, ist gar nicht so schwierig, wenn man ihnen nur genügend Aufmerksamkeit schenkt.

Mag. Martin Weber

Über den Autor

Mag. Martin Weber studierte Romanistik und Japanologie und arbeitet unter anderem als selbstständiger Trainer, Lektor und Übersetzer. Er ist seit vielen Jahren mit dem "Pauker" verbunden, wo er bereits vor 20 Jahren Nachhilfe gegeben hat.

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